Infrarot Effekt Filter im Vergleich

Alle Kameras sind im Großen und Ganzen gleich empfindlich für Infrarot Strahlung, vorausgesetzt der interne Sperrfilter wurde ausgebaut. Der Bildeffekt, der am Ende erzielt wird, ist also nicht von der Kamera sondern in erster Linie vom eingebauten Infrarot Effekt Filter Typ abhängig (sowie von der Nachbearbeitung). Je nach dem welcher Infrarot-Effektfilter verbaut wird, bekommt man einen ganz eigenen Bildeffekt. Außerdem können manche Einbaufilter zusätzlich mit einem Vorschraubfilter kombiniert werden, um variabel einen anderen Bildeffekt zu kreieren.

Langpass-Infrarotfilter

Langpass-Infrarot Effekt Filter lassen nur Licht ab einer bestimmten Wellenlänge passieren. Ein 700 nm Filter beispielsweise lässt Licht im Bereich von 700 nm bis 1.200 nm auf den Sensor (noch langwelligeres Licht kommt zwar auf dem Sensor an, kann aber von diesem nicht mehr erfasst werden). Kürzere Wellenlängen unter 700 nm (also der für den Menschen sichtbare Bereich) wird gesperrt und trifft nicht auf den Sensor.

Ab einer Wellenlänge von ca. 830 nm kann nur noch Schwarz-Weiß Infrarot fotografiert werden. Wenn man Farb-Infrarotaufnahmen machen möchte, muss wenigstens zu einem gewissen Teil auch noch kurzwelligeres Licht auf den Sensor treffen. Als Faustregel gilt: Je schwächer ein Filter ist, desto besser ist er für Farb-IR Aufnahmen geeignet. Als Kehrseite liefern schwache Infrarotfilter weniger intensive Schwarz-Weiß Bilder. Auch wenn man nur an Schwarz-Weiß Aufnahmen interessiert ist, empfehle ich den 700 nm Filter für Schwarz-Weiß Infrarot Fotos (mehr dazu im Steckbrief).

Multispektrale Infrarotfilter

Multispektrale Infrarot Effekt Filter lassen Licht aus verschiedenen Bereichen des Spektrums passieren. Der Sensor sieht eine Mischung aus Infrarotlicht und sichtbarem blauen Licht in unterschiedlichen Verhältnissen. Die Transmissionskurve dieser Filter ist relativ komplex, aber der Bildlook, den sie schon in der Kamera generieren, vereinfacht die Nachbearbeitung enorm. Diese Filter finden vor allem in der Farb Infrarotfotografie Anwendung, Schwarz-Weiß Infrarotaufnahmen sind jedoch auch möglich. Man erhält mit ihnen bereits in der Kamera einen blauen Himmel und kann auf den Kanaltausch verzichten. Auch zum Filmen im Infrarot Bereich eignen sich diese Filter besser, weil die Nachbearbeitung auf ein Minimum reduziert wird.

Infrarot Effekt Filter im Vergleich

Um die Bildwirkung der einzelnen Filter besser zu verstehen, ist eine Gegenüberstellung nützlich. Natürlich können auch RAW Dateien kostenlos heruntergeladen werden, um die Bildwirkung und Nachbearbeitung in der eigenen Software besser nachvollziehen zu können. Der Download Bereich findet sich ganz am Ende dieser Seite bzw. im Steckbrief der einzelnen Filter.

Ich habe die Filter mit verschiedenen Bearbeitungszuständen gegenübergestellt. Die rechte Zeile zeigt die Fotos mit automatischem Weißabgleich, was in der Regel „flasch“ ist. Mit einem manuellen Weißabgleich in der Kamera kann der Bildeffekt in der vorletzten Spalte erreicht werden. Die erste Spalte zeigt das bearbeitete Foto mit korrekt gesetztem Weißabgleich (in diesem Fall auf die Wolken). Typisch für IR-Aufnahmen ist ein Kanaltausch, um einen blauen Himmel zu bekommen. Dieser Bildlook ist meist das angestrebte Bildresultat für Farb IR-Aufnahmen und ist in der 2. Spalte zu sehen. In der Mitte befindet sich schließlich die Schwarz-Weiß Bearbeitung der einzelnen Filtertypen. Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern!

Infrarot Effektfilter im Vergleich - Motiv 1
Infrarot Effekt Filter im Vergleich – Motiv 1
Infrarot Effektfilter im Vergleich - Motiv 2
Infrarot Effekt Filter im Vergleich – Motiv 2

Infrarot Effekt Filter Steckbriefe und Details

Jeder Infrarot Filter kreiert einen eigenen Bildeffekt und führt deswegen zu einem besonderen Bildresultat. Es gibt nicht den einen Filter der alles kann. Dabei ist jeder Filter für eine bestimmte Bildwirkung gedacht. Für detaillierte Informationen und Beschreibung klicken Sie auf den Button und springen Sie direkt zu dem Filter.

Grundsätzlich gilt: Für Schwarz-Weiß Infrarotfotografie sind stärkere IR-Filter (700 nm und 830 nm) zu empfehlen, stehen jedoch Farb-IR Aufnahmen im Mittelpunkt sind die schwächeren Filter (z.B. 630 nm und 550 nm) klar im Vorteil.


Vollspektrum-Filter

Ein Vollspektrum-Filter ist eigentlich kein Effektfilter sondern eine technische Option, um den Sensor für das komplette Spektrum zu öffnen. Es handelt sich um einen 280 nm Langpass-Filter, der das komplette Spektrum von 280 nm bis 1.200 nm bis zum Sensor passieren lässt. Diese „Klarglas“ Option kann mit allen Filtern kombiniert werden, das heißt man kann jeden beliebigen Filter vor das Objektiv schrauben und variabel mit nur einer Kamera den Bildeffekt beeinflussen, der am Ende generiert wird. So können neben Infrarotbildern auch UV-Fotos aufgenommen oder im sichtbaren Bereich ganz „normale“ Bilder geschossen werden.

Ein Vollspektrum Umbau liefert nicht nur die technische Voraussetzung um jeden erdenklichen Infrarot-Effektfilter zu benutzen, er kann auch als eigenständige Lösung benutzt werden, um die Kamera empfindlicher zu machen. Das kann u.a. in der Astrofotografie für kleinere ISO Werte und damit geringerem Rauschen führen. Für Weitwinkel-Nachtlandschaften ist diese Filterwahl jedoch nicht zu empfehlen, da die Lichtverschmutzung von Städten und Dörfern zu Farbverschiebungen führt, die nur schwer korrigierbar sind. Für Deep-Space Aufnahmen ist ein Vollspektrum-Umbau aber eine gute und flexible Alternative zu einem Astrofilter.

Vorteile Vollspektrum Filter

  • Es können ohne Einschränkungen alle Infrarot oder UV-Effektfilter als Schraubfilter benutzt werden
  • Variable und schnelle Änderung des Bildeindruckes
  • Mit UV/IR-Sperrfilter sind auch wieder „normale“ Aufnahmen mit der Kamera möglich
  • Sehr hohe Empfindlichkeit (ca. + 1 Blende)

Nachteile Vollspektrum Filter

  • Es muss idR. ein zusätzlicher Schraubfilter gekauft werden, möglicherweise in verschiedenen Größen
  • Es muss auf jedes Objektiv ein Filter geschraubt werden
  • Ggf. Probleme beim Fokussieren und bei der Belichtungsmessung (NUR bei Spiegelreflex Kameras)

Kann mit folgenden Schraubfiltern kombiniert werden:

  • 550 nm
  • 630 nm
  • 700 nm
  • 830 nm
  • InfraBlue
  • Normal

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550 nm Infrarotfilter

Der schwächste Infrarotfilter ist ein 550 nm Langpass-Filter, der das Spektrum ab 550 nm bis ins Tiefe IR von 1.200 nm passieren lässt . Dieses orangene Stückchen Glas ist kaum für die Schwarz-Weiß Infrarotfotografie interessant, bietet aber die Möglichkeit ein Bild mit blauem Himmel und rotem Laub zu generieren. Dies kommt dem analogen Infrarotfilm „Kodak Aerochrome“ sehr nahe und ist ein Bildeffekt, der von vielen Infrarotfotografen angestrebt wird. Die Nachbearbeitung ist etwas aufwändiger, weil ein doppelter Kanaltausch durchgeführt werden muss (Rot- Blau und Grün-Blau). Mit dem Kanalmixer und etwas Experimentierfreude sind noch viele andere Bildeffekte möglich. Als schwächster Infrarotfilter kann er zudem mit sehr vielen anderen Filtern kombiniert werden.

Vorteile 550 nm Filter

  • Mit Nachbearbeitung ist rotes Laub und blauer Himmel möglich („Kodak Aerochrome Look“)
  • Mit allen anderen Langpass-Filtern als Schraubfiltern kombinierbar
  • Hohe Empfindlichkeit nach dem Umbau (ca. + 1/3 Blenden)

Nachteile 550 nm Filter

  • Relativ viel Nachbearbeitung nötig
  • Nicht geeignet für SW-IR Aufnahmen
  • Extremer Weißabgleich ist nötig, viele Kameras haben hierbei Probleme (der Weißabgleich kann aber bei der Nachbearbeitung aus der RAW Datei festgelegt werden)

Kann mit folgenden Schraubfiltern kombiniert werden:

  • 630 nm
  • 700 nm
  • 830 nm

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630 nm Infrarotfilter

Der 630 nm Filter lässt Licht im Bereich 630 nm bis 1.200 nm passieren. Er findet vor allem in der Farb-Infrarotfotografie Einsatz. Das rote Stückchen Glas kann einen blauen Himmel in Kombination mit goldenem Laub generieren. Die Nachbearbeitung ist etwas weniger aufwändig als beim 550 nm Filter, dennoch ist ein Rot-Blau Kanaltausch nötig, um einen blauen Himmel zu erhalten. Die Grund-Farbsättigung im Bild ist sehr hoch und man muss die Regler nicht zu sehr verschieben, um ein gutes Bildresultat zu erreichen. Aber auch teilentsättigte Aufnahmen (Colorkey) und Schwarz-Weiß Aufnahmen können mit diesem Filter angefertigt werden.

Er liefert nicht das intensivste Schwarz-Weiß Infrarotbild, ist aber dennoch gut für SW-Aufnahmen einsetzbar. Vor allem wer mehr „Shades of Grey“ in Baumkronen sucht als nur ein ganz helles Weiß wird diesen Filter auch für monochrome Infrarotaufnahmen zu schätzen wissen. Für einen stärkeren Schwarz-Weiß Infrarotbildeffekt ist der 700 nm Filter zu empfehlen. Ein ähnlicher Bildeindruck, aber ohne die Notwendigkeit eines Kanaltausches, liefert der InfraBlue Filter.

Vorteile 630 nm Filter

  • Mit Nachbearbeitung ist gelb-goldenes Laub und blauer Himmel möglich
  • Mit einigen Langpass-Schraubfiltern kombinierbar
  • Vor allem für Farb-IR Aufnahmen geeignet (hohe Farbsättigung vorhanden)
  • Auch Schwarz-Weiß Aufnahmen sind möglich
  • Teilentsättigung (Colorkey) ist möglich
  • Gute Empfindlichkeit nach dem Umbau (ca. -1/3 Blenden)

Nachteile 630 nm Filter

  • Für die Farb-Nachbearbeitung ist ein Kanaltausch nötig, um einen blauen Himmel und gelbes Laub zu erhalten
  • Schwarz-Weiß Bild hat etwas weniger Kontrast als mit stärkeren Filtern, vor allem der Himmel ist heller
  • Intensiver Weißabgleich ist nötig, einige Kameras haben hier Probleme (der Weißabgleich kann aber bei der Nachbearbeitung aus der RAW Datei festgelegt werden)

Kann mit folgenden Schraubfiltern kombiniert werden:

  • 700 nm
  • 830 nm

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700 nm Infrarotfilter

Ein 700 nm Filter lässt das Licht im Bereich von 700 bis 1.200 nm passieren. Wenn man ihn in den Händen hält hat man praktisch eine schwarze Scheibe vor Augen. Der 700 nm Filter kann als „echter“ Infrarotfilter angesehen werden, weil er keine wesentlichen Teile des sichtbaren Lichtes mehr durchlässt. Mit ihm können sowohl Farb-IR als auch Schwarz-Weiß Infrarotaufnahmen entstehen. Er ist der am häufigsten verbaute Filter und ist für unentschlossene „Einsteiger“ in die Infrarot Fotogragrafie immer zu empfehlen.

Für Schwarz-Weiß Infrarotfotografie bietet der Filter ein sehr kontrastreiches Bild mit fast weißem Laub und dunklem Himmel. Zwar liefern stärkere IR-Filter noch ein bisschen intensivere Bildergebnisse, aber auf Kosten der Empfindlichkeit. Wenn der Schwerpunkt mehr auf der Farb-IR Fotografie liegen soll ist der 630 nm oder InfraBlue Filter eine gute Alternative.

Vorteile 700 nm Filter

  • Vor allem für Schwarz-Weiß-IR Aufnahmen geeignet
  • Auch Farb-IR Aufnahmen sind möglich (mit Nachbearbeitung ist gelb-goldenes Laub und blauer Himmel möglich)
  • Teilentsättigung (Colorkey) ist möglich

Nachteile 700 nm Filter

  • Empfindlichkeit leicht verringert gegenüber einer nicht umgebauten Kamera (ca. -2/3 Blenden)
  • Geringe Farb-Sättigung bei Farb-Infrarotaufnahmen
  • Kanaltausch ist nötig, um einen blauen Himmel und gelbes Laub zu erhalten

Kann mit folgenden Schraubfiltern kombiniert werden:

  • 830 nm

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830 nm Infrarotfilter

Mit dem 830 nm Filter sind keine Farbaufnahmen mehr möglich, er liefert ausschließlich monochrome Infrarotbilder. Das SW-Ergebnis ist nur ein wenig intensiver als beim 700 nm Filter. Diesen kleinen Vorteil erkauft man sich aber mit einer deutlich geringeren Empfindlichkeit. Der Filter schluckt ca. 2 Blenden Licht, weshalb er nicht uneingeschränkt als bester Schwarz-Weiß Infrarotfilter empfohlen werden kann. In der Regel ist die höhere Empfindlichkeit des 700 nm Filters mehr wert und das geringe Plus an Infrarot-Kontrast. Mit einem 700 nm Filter und ein bisschen Nachbearbeitung kann diese Lücke sehr leicht geschlossen werden. Nur wenn eine technische Notwendigkeit besteht, ist dieser Filter sinnvoll.

Vorteile 830 nm Filter

  • Liefert ein leicht intensiveres Schwarz-Weiß-IR Bild als der 700 nm Filter

Nachteile 830 nm Filter

  • Großer Verlust an Empfindlichkeit (ca. -2 Blenden)
  • Nur SW-Infrarotaufnahmen sind möglich, keine Farbe
  • Kann mit keinem Schraubfilter kombiniert werden

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InfraBlue-Filter

Der InfraBlue-Filter ist ein Multibandpass-Filter, der die Nachbearbeitung des IR Bildes deutlich vereinfacht. Er liefert ein ähnliches Bildergebnis wie der 630 nm Filter, also einen blauen Himmel und gelbes Laub. Jedoch kommt der InfraBlue Filter dabei ohne die Notwendigkeit eines Kanaltausches aus: Man sieht das fertige Bildergebnis schon auf dem Kameradisplay. Das ist insbesondere nützlich, wenn mit der Kamera Infrarot gefilmt werden soll.

Neben der einfachen Möglichkeit Farb-IR Aufnahmen zu erstellen, ist der Filter auch sehr gut für monochrome IR Aufnahmen oder Colorkey Bilder zu gebrauchen. Aufgrund der hohen Basis-Farbsättigung der Datei kann für die Schwarz-Weiß Umwandlung auch ein Kanalmixer benutzt werden, das bietet sehr viel Kontrolle über das Bildergebnis.

Vorteile InfraBlue Filter

  • Gelbes Laub und blauer Himmel mit hoher Farbsättigung
  • Das fertige Bild kann auf dem Kameradisplay beurteilt werden
  • Schwarz-Weiß Aufnahmen sind möglich (viel Kontrolle über den Kanalmixer)
  • Teilentsättigung (Colorkey) ist möglich
  • Einfaches Filmen in Infrarot: Kein Kanaltausch in der Video Nachbearbeitung nötig

Nachteile InfraBlue Filter

  • An kontrastreichen Kanten können vermehrt chromatische Aberrationen sichtbar werden
  • Als Schraubfilter nur an einer Vollspektrum Kamera benutzbar
  • Empfindlichkeit leicht verringert gegenüber einer nicht umgebauten Kamera (ca. -2/3 Blenden)

Kann mit folgenden Schraubfiltern kombiniert werden:

  • 700 nm
  • 830 nm

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Normal-Filter

Der Name ist Programm. Dieser Filter ist ein UV/IR Sperrfilter und lässt ausschließlich das sichtbare Licht auf den Sensor. An einer Vollspektrum Kamera können solche Schraubfilter installiert werden, um wieder „ganz normale“ Aufnahmen machen zu können. So kann nur eine Kamera sowohl für Infrarotaufnahmen und für die normale Fotografie benutzt werden.

Vorteile Normal Filter

  • Kann mit einer Vollspektrum Kamera wieder „normale“ Fotos im sichtbaren Bereich liefern

Nachteile Normal Filter

  • Kann mit keinen Schraubfiltern kombiniert werden
  • Empfindlichkeit leicht verringert gegenüber einer nicht umgebauten Kamera (ca. -1/2 Blenden)

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